
Rapsernte: Den optimalen Erntezeitpunkt richtig bestimmen
Die Bestimmung des idealen Erntezeitpunkts für Raps stellt Landwirte vor besondere Herausforderungen. Im Gegensatz zu Getreide verläuft die Blüte der Ölfrucht über mehrere Wochen, wodurch sich die Reifezeit innerhalb eines Feldes erheblich unterscheiden kann. Eine gut geplante Ernte ist jedoch entscheidend, um Ertragsverluste zu minimieren und die Qualität der Rapskörner zu sichern.

Wann ist Raps erntereif?
Grundsätzlich sollte die Rapsernte beginnen, wenn die Schoten braun und die Rapskörner schwarz sind. Zudem sollte der Feuchtigkeitsgehalt unter 11 % liegen. Allerdings ist der Erntezeitpunkt stark von verschiedenen Faktoren abhängig:
- Witterungseinflüsse: Temperatur, Sonneneinstrahlung und Niederschläge beeinflussen die Reife der Pflanzen.
- Sortenwahl: Hybride, Liniensorten oder Halbzwerghybride unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Reifezeit.
Unterschiedliche Abreife innerhalb des Bestands: Während sich die oberen Schoten oft schneller entwickeln, sind die unteren Bereiche noch grün – obwohl sie etwa zwei Drittel des Gesamtertrags liefern.
Optimale Druschreife und Ernteverluste beim Raps
Raps erreicht seine Druschreife etwa ab Anfang Juli. Zu diesem Zeitpunkt weisen etwa 20–30 % der Körner eine schwarze Färbung auf, während die Schoten eine grün-graue Verfärbung zeigen. Ein weiteres Indiz für die Erntebereitschaft ist das erste Aufplatzen einzelner Schoten an den Pflanzen.
Der richtige Feuchtigkeitsgehalt beim Mähdrusch
Der Wassergehalt der Rapskörner spielt eine entscheidende Rolle für die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Ernte:
- Optimaler Bereich: 10–12 % Wassergehalt
- Früher Mähdrusch möglich ab 15 %, jedoch mit hohen Trocknungskosten
- Zu trockener Raps (<10 %) kann erhebliche Ausfallverluste verursachen
Minimierung der Ernteverluste
Bei der Rapsernte sind Verluste unvermeidlich, lassen sich aber durch den Einsatz moderner Technik begrenzen:
- Schneidwerke mit Rapstisch und Rapsschere reduzieren Ausfallverluste
- Druscharbeit kontrollieren: 8 verlorene Körner pro dm² entsprechen bei einem Ertrag von 35 dt/ha etwa 1 % Ernteverlust
- Verluste von 1–2 % gelten als normal und sind kaum vermeidbar
Die genaue Abstimmung von Erntezeitpunkt, Maschineneinstellungen und Witterungsbedingungen trägt entscheidend dazu bei, den Ertrag zu maximieren und unnötige Verluste zu vermeiden.

Die Herausforderung der verzettelten Rapsblüte
Die lange Blühphase erschwert eine gleichmäßige Reife der Pflanzen. Während äußere und obere Schoten oft schneller trocknen, benötigen die inneren und unteren Schoten mehr Zeit. Zudem beeinflussen Wind und Sonneneinstrahlung die Trocknung unterschiedlich.
Viele Landwirte orientieren sich bei der Ernte an den ersten fallenden Körnern, doch ein verfrühter Start kann zu Ertragseinbußen führen. Hier empfiehlt es sich, die Bestände genau zu beobachten, anstatt überstürzt mit der Ernte zu beginnen.

Arbeitserleichterung oder Mehrertrag?
Die Entscheidung für den optimalen Erntezeitpunkt hängt auch von arbeitsorganisatorischen Aspekten ab. Häufig wird Raps noch vor der Weizenernte geerntet, um den Betriebsablauf zu optimieren. Dies kann jedoch zu geringeren Erträgen führen, wenn die Schoten noch nicht vollständig ausgereift sind.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bietet ein hilfreiches Tool zur Bestimmung der phänologischen Entwicklungsstadien von Kulturpflanzen. Landwirte sollten daher individuell abwägen, ob sie den Erntetermin vorrangig zur Arbeitserleichterung oder für einen möglichst hohen Ertrag wählen.