
Kleegras als Dünger im Ökolandbau richtig nutzen
Die Nutzung von Kleegras als betriebseigener Dünger spielt im ökologischen Ackerbau eine zentrale Rolle, insbesondere in viehlosen Betrieben. Ein Forschungsprojekt der Universität Kassel zeigt, dass die Art der Aufbereitung entscheidend dafür ist, wie viel Stickstoff im System erhalten bleibt und später pflanzenverfügbar ist. Im Fokus stand dabei die Kompostierung von Kleegrasaufwuchs und deren Optimierung.

Stickstoffverluste bei Kleegras-Kompostierung vermeiden
Ein wesentlicher Hebel zur Reduktion von Stickstoffverlusten ist die gezielte Zugabe von strukturreichem Material. Besonders effektiv erwiesen sich Stroh und Grüngut, da sie das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis im Kompost verbessern. Je weiter dieses Verhältnis ist, desto geringer fallen die Verluste aus. Während bei reinem Kleegras ohne Zusatzstoffe bis zu 53% des Stickstoffs verloren gehen können, lassen sich diese Verluste durch geeignete Mischungen drastisch senken. Bei einem hohen Anteil an Grüngut (65%) betrugen die Verluste nach 13 Wochen nur etwa 2%, bei einer Kombination aus Stroh und Grüngut (75% Volumenanteil) rund 10%.

Kleegras kompostieren: Kosten, Aufwand und Vorteile
Trotz dieser Vorteile ist die Kompostierung mit zusätzlichen Materialien kostenintensiv. Neben dem Arbeitsaufwand schlagen vor allem die benötigten Co-Substrate wirtschaftlich zu Buche. Dennoch bietet dieses Verfahren entscheidende Vorteile: Der erzeugte Kompost kann flexibel gelagert sowie zeitlich und räumlich bedarfsgerecht ausgebracht werden. Diese Flexibilität ist besonders im Hinblick auf die Synchronisation von Nährstoffangebot und Pflanzenbedarf relevant.

Kleegras-Düngung im Vergleich: Kompost, Silage und Cut & Carry
Im direkten Vergleich mit anderen Verwertungsformen wie Kleegrassilage oder dem Cut-&-Carry-Verfahren zeigte sich, dass die kurzfristigen Ertragssteigerungen durch Kompost eher moderat ausfallen. Im Durchschnitt lagen die Mehrerträge bei etwa 3%, während Silage etwa 4% und Cut & Carry rund 5% erreichten. Allerdings entfaltet Kompost eine nachhaltigere Wirkung innerhalb der Fruchtfolge. So konnten beispielsweise bei Wintergerste nach Sommerweizen Mehrerträge von etwa 7% erzielt werden. Auch andere Verfahren zeigten positive Effekte im zweiten Fruchtfolgeglied, teils sogar etwas stärker.

Kleegras in der Fruchtfolge: Stickstoffwirkung langfristig nutzen
Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Wahl des optimalen Verwertungssystems nicht allein von Kosten oder unmittelbarer Stickstoffeffizienz abhängen sollte. Vielmehr ist eine ganzheitliche Betrachtung erforderlich. Dazu zählen die zeitliche Abstimmung von Nährstofffreisetzung und Pflanzenbedarf, die Einbindung in die Fruchtfolge, arbeitswirtschaftliche Aspekte sowie die mittel- und langfristige Düngewirkung.

Praxis-Tipps: Kleegras effizient verwerten und N-Verluste senken
Insgesamt zeigt sich: Die Kompostierung von Kleegras mit geeigneten Strukturmaterialien ist zwar kostenintensiv, bietet aber klare Vorteile hinsichtlich Nährstofferhalt und Flexibilität. Betriebe sollten daher standort- und betriebsspezifisch abwägen, welches Verfahren am besten zu ihren Produktionszielen und Ressourcen passt.
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