
Leguminosen auf dem Vormarsch
Leguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Sojabohnen sind wahre Bodenverbesserer: Sie binden Stickstoff, fördern die Bodenstruktur und eignen sich hervorragend als Vorfrüchte. Doch welche Leguminose passt auf Ihren Acker? Standortbedingungen wie Trockenheit, Feuchtigkeit oder Kalkgehalt spielen eine entscheidende Rolle. Erfahrt, welche Kultur optimal zu Ihren Bedingungen passt und wie Sie die beste Ernte erzielen.

GLÖZ 7 – welche Rolle spielt die GAP?
Erbse, Bohne, Lupine und Soja bieten als Sommerungen großes Potenzial. Besonders nach einem nassen Herbst stellt sich die Frage, wie schlecht entwickelte oder überflutete Flächen genutzt werden können. Beim Nachbau ist auf mögliche Herbizid-Rückstände zu achten. Zudem könnten Fruchtwechsel-Regelungen (GLÖZ 7) der GAP eine Rolle spielen.
Exkurs GAP
GAP 2025: Neue Regelungen und Erleichterungen
Bereits im Frühjahr 2024 hat die EU Erleichterungen für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) beschlossen, um Bürokratie abzubauen. Diese Änderungen gelten jedoch nicht automatisch in Deutschland, sondern wurden durch nationale Gesetze und Verordnungen angepasst und im Dezember 2024 im Bundesanzeiger veröffentlicht. Die neuen Regelungen treten ab dem 01.01.2025 in Kraft.
Allgemeine Änderungen für 2025 Seit dem 01.01.2024 sind Betriebe mit bis zu 10 Hektar landwirtschaftlicher Fläche von förderrechtlichen Sanktionen befreit. Ab 2025 entfallen für diese Betriebe auch die Kontrollen im Bereich der Konditionalität, während Fachrechtskontrollen weiterhin durchgeführt werden. Die Erhaltung landwirtschaftlicher Flächen erfordert künftig nur noch alle zwei Jahre eine Mindesttätigkeit vor dem 16. November. Zudem dürfen Schnittgut oder Aushub von Pflegemaßnahmen an Gehölzen und Gewässern bis zu 90 Tage auf den Flächen verbleiben, ohne dass dies als Einschränkung der landwirtschaftlichen Tätigkeit gilt.
Einführung der Sozialen Konditionalität Zum 01.01.2025 wird die „Soziale Konditionalität“ eingeführt. Fördergelder werden an Vorgaben zu Arbeitsbedingungen, Maßnahmen zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz der Beschäftigten geknüpft. Verstöße gegen diese Vorgaben führen zu förderrechtlichen Sanktionen. Grundlage dieser neuen Regelung sind bereits bestehende Gesetze und Verordnungen im Bereich Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit.
Wesentliche Änderungen der Konditionalität 2025 Die Mindestbodenbedeckung (GLÖZ 6) schreibt vor, dass im Winter auf 80 % der Ackerflächen eine Bodenbedeckung vorhanden sein muss. Diese ist nach der Ernte der Hauptkultur gemäß guter fachlicher Praxis anzulegen, wobei das Ende des Antragsjahres als Ende des Verpflichtungszeitraums gilt. Der Fruchtwechsel (GLÖZ 7) wurde auf zwei Vorgaben reduziert: Schlagspezifisch muss spätestens im dritten Jahr eine andere Kultur angebaut werden, und mindestens 33 % der Ackerfläche müssen jährlich einen Fruchtwechsel aufweisen, der auch durch den Anbau einer Zwischenfrucht im Vorjahr nachgewiesen werden kann. Die bisherigen Ausnahmeregelungen bleiben bestehen. Eine Konkretisierung der Vorgaben zu Mischkulturen erfolgt in der Öko-Regelung (ÖR) 2, wobei Mais-Mischkulturen im Fruchtwechsel erst ab 2026 zur Hauptkultur Mais zählen, in der ÖR 2 jedoch bereits ab 2025.
Änderungen bei der verpflichtenden Stilllegung und den Öko-Regelungen Die Verpflichtung zur Stilllegung von 4 % der Ackerfläche (GLÖZ 8) entfällt ab 2025 vollständig. Im Bereich der Öko-Regelungen wird der Anbau vielfältiger Kulturen (ÖR 2) präziser definiert: Mischkulturen mit feinkörnigen und grobkörnigen Leguminosen werden als verschiedene Hauptkulturen anerkannt, ebenso wie Winter- und Sommermischkulturen. Ab 2025 zählen jedoch alle Mais-Mischkulturen zur Hauptfruchtart Mais. Darüber hinaus wird der „beetweise Gemüseanbau“ stärker berücksichtigt: Die Vorgaben der ÖR 2 gelten als erfüllt, wenn auf mindestens 40 % der Ackerfläche eines Betriebs in beetweiser Anordnung mindestens fünf Gemüsekulturen angebaut werden. Gleichzeitig bleibt die Verpflichtung zum Anbau von mindestens 10 % Leguminosen bestehen.
Die GAP-Reform 2023–2027 ist durch jährliche Anpassungen geprägt, und auch 2025 bringen die Neuerungen sowohl Erleichterungen als auch neue Verpflichtungen für die Antragstellerinnen und Antragsteller. Bei Fragen zur GAP stehen die Wirtschaftsberaterinnen und Wirtschaftsberater der Landwirtschaftskammer zur Verfügung.
Leguminosen als vielversprechende Alternative
Regional bietet sich der Anbau von Leguminosen – ergänzend zu Mais – als interessante Option an. In den letzten Jahren hat sich ihr Anbau neben Sommergetreide und Sonnenblumen weiter etabliert. Zwar ging die Anbaufläche von Körnerleguminosen 2023 im Vergleich zu 2022 leicht zurück, doch mit 117.200 Hektar Körnererbsen, 60.000 Hektar Ackerbohnen, 44.800 Hektar Sojabohnen und 25.500 Hektar Süßlupinen bleibt sie laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) auf einem hohen Niveau.
Unkrautfreie Bestände, wie etwa Ackerbohnen, bieten ideale Wachstumsbedingungen und sorgen fĂĽr einen erfolgreichen Start.Â
Darüber hinaus bereichern Hülsenfrüchte die Fruchtfolge, fördern die Biodiversität, benötigen keine zusätzliche Stickstoffdüngung und verbessern die Bodenstruktur. Dennoch gibt es Herausforderungen: Nicht jede Leguminose ist für jeden Standort geeignet, und die Vermarktung gestaltet sich in einigen Fällen schwierig.

Schlagauswahl: Einfluss auf Ertrag und Anbaueignung
Die Auswahl des richtigen Schlages ist entscheidend für den Erfolg beim Anbau von Körnererbsen und Ackerbohnen. Untersuchungen auf über 120 Bio-Betrieben zeigen, dass Standortbedingungen und Bewirtschaftungsgeschichte maßgebliche Ertragsfaktoren sind.
Standortbedingungen
- Bodenbeschaffenheit: Hohe Tongehalte (über 20 %) senken Erbsenerträge, während Ackerbohnen etwas toleranter sind. Flachgründige Böden oder verdichtete Unterböden wirken sich generell negativ aus.
- Wasserhaltefähigkeit: Ackerbohnen profitieren besonders von Böden, die im Frühjahr viel Wasser speichern können.
- Humusgehalt: Hohe Humuswerte steigern den Ertrag der Ackerbohne, können jedoch bei Erbsen durch erhöhte Stickstoffnachlieferung das Unkrautwachstum fördern.
- Nährstoffversorgung: Phosphor ist der einzige Mineralstoff, der einen erkennbaren Einfluss auf den Erbsenertrag hat.
Bewirtschaftungsgeschichte
- Fruchtfolge: Erbsen reagieren empfindlich auf enge Anbauabstände. Ertragsrückgänge treten bereits bei mehr als sechs Jahren Abstand auf, vor allem durch Fußkrankheiten. Ackerbohnen sind weniger anfällig, sollten aber ebenfalls nur alle sechs Jahre auf demselben Schlag angebaut werden.
- Vorfrüchte: Der Anbau von Rotklee und Luzerne in der Fruchtfolge kann Erbsenerträge senken, während Weißklee und Ackerbohnen keine negativen Effekte zeigen.
Für eine optimale Ertragsstabilität sollten Landwirte daher sowohl Standortfaktoren als auch die Bewirtschaftungsgeschichte ihrer Schläge sorgfältig berücksichtigen.

Anbau nach Verwertung: Wichtige Aspekte
Betriebe, die ihre Ernte nicht selbst verwerten, müssen entweder den freien Markt nutzen oder auf Vertragsanbau setzen. Besonders in der Humanernährung steigt die Nachfrage nach pflanzenbasierten Lebensmitteln stetig. Auch Zuckerunternehmen haben das Potenzial von Leguminosen erkannt: Pfeifer & Langen bietet bereits ein Erbsenprodukt an, während Südzucker und Nordzucker in den Anbau von Ackerbohnen und Gelben Erbsen für Proteine investieren.
Mit der steigenden Bedeutung von Körnerleguminosen hat sich auch die Sortenvielfalt erweitert. Aktuell sind zahlreiche Sorten von Ackerbohnen, Erbsen, Sojabohnen und Lupinen zugelassen. Entscheidend für die Sortenwahl sind Merkmale wie Standfestigkeit, Blattgesundheit, Proteingehalt und Ertrag. Zudem enthalten Leguminosen antinutritive Stoffe, die für Mensch und Tier problematisch sein können, etwa Tannine in Erbsen und Ackerbohnen oder Trypsininhibitoren in Sojabohnen.
Empfehlungen für geeignete Sorten bietet der Landessortenversuch (LSV) der jeweiligen Bundesländer, auch ein Blick in die Öko-LSV kann hilfreich sein.

Fazit: Drei entscheidende Tipps fĂĽr den erfolgreichen Anbau
FĂĽr einen optimalen Start der Pflanzen empfiehlt Bioland-Experte Alexander Watzka folgende MaĂźnahmen:
- Passende Rhizobienstämme nutzen
Jede Leguminose benötigt spezifische Knöllchenbakterien zur Stickstofffixierung. Während Ackerbohnen und Erbsen in der Regel bereits die passenden Bakterien im Boden finden, ist eine Impfung bei Lupinen und Sojabohnen – insbesondere beim Erstanbau – erforderlich. - Nährstoffversorgung beachten
Leguminosen binden mehr Stickstoff aus der Luft, als mit der Ernte entzogen wird. Deshalb sind starkzehrende Folgefrüchte besonders geeignet. Vor der Aussaat sollten die Nmin-Werte im Boden möglichst niedrig sein, um die Effizienz der Stickstofffixierung zu maximieren. - Effektive Beikrautregulierung
Striegel und Hacke sind bewährte Werkzeuge zur Unkrautkontrolle. Richtig angewendet, können bis zu 70 % der Beikräuter verschüttet und 30 % herausgerissen werden. Der Erfolg hängt jedoch von präziser Einstellung und dem richtigen Einsatzzeitpunkt ab – Erfahrung ist hierbei entscheidend.