
Silomais genau bewerten: Warum Ertrag und Trockensubstanz entscheidend sind
Die Silomaisernte ist für Landwirte und Lohnunternehmer ein eng getakteter Prozess, bei dem es auf hohe Schlagkraft, saubere Logistik und gute Futterqualität ankommt. Besonders wichtig sind dabei zwei Kennzahlen: die Frischmasse in Tonnen pro Hektar und der Trockensubstanzgehalt des Ernteguts. Diese Werte sind nicht nur für die betriebliche Bewertung relevant, sondern spielen auch eine zentrale Rolle bei der Preisfindung im Handel mit Silomais.

Frischmasse zuverlässig erfassen
Für die Erfassung der Frischmasse stehen in der Praxis vor allem zwei Wege zur Verfügung: die Verwiegung auf einer geeichten Brückenwaage und die Durchsatzmessung direkt am Feldhäcksler. Die Brückenwaage gilt als die genauere und abrechnungsfähige Lösung, weil sie die gesamte gelieferte Menge erfasst. Die Häckslererfassung liefert dagegen wertvolle Hinweise auf Ertragsunterschiede innerhalb einer Fläche und ist damit besonders für die pflanzenbauliche Auswertung interessant.

Trockensubstanz fair bestimmen
Beim Trockensubstanzgehalt ist die klassische Stichprobe das eigentliche Problem. Ob Trockenschrank, Laborprobe oder stationäre NIRS-Messung: Immer wird nur ein sehr kleiner Teil der Ernte untersucht. Das reicht zwar für eine grobe Bewertung, bildet aber die tatsächliche Streuung im Feld oft nur unzureichend ab. Für eine faire Abrechnung ist deshalb nicht nur die Genauigkeit einer einzelnen Messung wichtig, sondern vor allem, wie gut die gesamte Ernte realistisch abgebildet wird.

Online-NIRS am Häcksler
Genau hier setzt die Online-NIRS-Technik an. Am Feldhäcksler misst ein Sensor im Auswurfturm das reflektierte Lichtspektrum des Häckselguts und leitet daraus den Trockensubstanzgehalt sowie weitere Inhaltsstoffe ab. Das Verfahren arbeitet im laufenden Ernteprozess und liefert deutlich mehr Messpunkte als die manuelle Probenahme. Dadurch entsteht ein wesentlich dichteres und praxisnäheres Bild der tatsächlichen Qualität.

Praxistest in NRW
Die Landwirtschaftskammer NRW hat in den Jahren 2024 und 2025 NIRS-Messungen unter Praxisbedingungen überprüft und mit der Trockenschrankmethode verglichen. Das Ergebnis fiel sehr positiv aus: Der getestete Sensor zeigte eine sehr gute Abbildungsgüte und arbeitete über einen Bereich von etwa 27 bis 45 Prozent TS mit nur geringen Abweichungen. Die maximale Abweichung lag bei rund 2 Prozent, der Durchschnitt sogar bei nur 0,65 Prozent.

Vorteile für die Abrechnung
Diese Genauigkeit ist besonders wichtig, weil sie die Schwächen der manuellen Probenahme deutlich relativiert. Proben können ungleich verteilt, zu klein oder nicht repräsentativ sein, während der Sensor fortlaufend Daten liefert. Für eine gerechtere Abrechnung ist die Online-TS-Erfassung deshalb ein großer Fortschritt. Allerdings ist das Verfahren derzeit nicht eichfähig, weshalb es in der Preisgestaltung transparent abgestimmt werden sollte.

Mehrwert für den Ackerbau
Für den Ackerbau ist vor allem die Kombination aus Frischmasseerfassung und Trockensubstanzmessung interessant. Wenn beide Werte teilflächenspezifisch vorliegen, lassen sich Unterschiede innerhalb eines Schlages sehr genau auswerten. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Bewertung von Maßnahmen wie variabler Aussaatstärke oder standortangepasster Bewirtschaftung. Wer seine Regelungen überprüft, kann seine Anbauentscheidungen deutlich besser absichern.

Nutzen für beide Seiten
Auch der aufnehmende Betrieb profitiert von der besseren Datengrundlage. Durch genauere TS-Werte kann der Silomais gleichmäßiger und zielgerichteter eingesetzt werden, etwa in der Fütterung oder in der Biogasanlage. Gleichzeitig sinkt der Aufwand für Probenahme und Nachbearbeitung. Insgesamt zeigt sich: Die Kombination aus Brückenwaage, Häckslerdaten und Online-NIRS schafft sowohl für Erzeuger als auch für Abnehmer mehr Transparenz und Fairness.

