
Die Auswirkungen dieses Klimawandels auf die Landwirtschaft sind noch nicht abschließend erforscht. Eines ist jedoch klar: Ein steigender CO2-Gehalt führt zu einer Zunahme der Photosyntheseleistung. Dies kann einigen Kulturen zugutekommen, während andere Arten anfällig gegenüber einem höheren CO2-Gehalt sind.
Auch die Änderungen in den Niederschlagsmengen und im Wasserbedarf der Kulturen müssen betrachtet werden. Aus diesem Grunde ist es für Landwirte unerlässlich, sich mit den möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Kulturen auseinanderzusetzen.
Einige Kulturen können sich besser an die neuen Bedingungen anpassen als andere. Es ist wichtig, dass Landwirte ihre Kulturen kontinuierlich überwachen und bei Bedarf Anpassungen vornehmen. Einige Kulturen werden vielleicht auch gegen andere ausgetauscht werden müssen.

Mehr Niederschlag und Verdunstung?
Seit Beginn der Aufzeichnungen hat sich beim Niederschlag kein eindeutiger Trend abgezeichnet. Die Schwankungen sind groß und es wechseln sich niederschlagsreichere und eher trockene Jahrzehnte ab. Daher lässt sich aus klimatologischer Sicht das subjektive Gefühl, die Sommer würden immer trockener, nicht eindeutig bestätigen.
Die Verdunstung hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen, was auf die steigenden Sonnenstunden und die höhere Lufttemperatur zurückzuführen ist. Diese Faktoren wirken sich auch auf die Vegetationsperiode von Pflanzen aus, die früher austreiben und länger aktiv sind, was zu einer erhöhten Verdunstung von Wasser führt. Dadurch ist die Verdunstung ein wichtiger Bestandteil des Bodenwasserhaushalts und somit ein essenzieller Faktor für die Biosphäre.
Es ist allgemein anerkannt, dass Menschen durch ihre Aktivitäten und den technologischen Fortschritt das Klimasystem beeinflussen. Die Freisetzung von Treibhausgasen steht dabei an vorderster Stelle, aber auch Änderungen in der Landnutzung, wie die Drainage landwirtschaftlicher Nutzflächen und die Expansion von Siedlungsräumen, haben wesentliche Auswirkungen auf lokale klimatische Verhältnisse.

Verschiedene Szenarien
Um die Auswirkungen der sozioökonomischen Entwicklungspfade auf das Klima abzuschätzen, müssen wir uns die Frage stellen, wie wir die Informationen aus der Vergangenheit nutzen können, um Projektionen für die Zukunft zu erstellen. Um ein umfassendes Bild zu erhalten, müssen wir alle möglichen Szenarien in Betracht ziehen, von einem ungünstigen Szenario mit erhöhter Nutzung fossiler Energieträger bis hin zu einem klimafreundlichen Szenario, in dem die Treibhausgasemissionen rasch reduziert werden. Mithilfe globaler Klimamodelle versuchen wir, das globale Klimageschehen zu simulieren. Wenn wir die Jahre von 1971 bis 2000 als Bezugsperiode nehmen, zeigen die Klimaszenarien eine Temperaturzunahme zwischen 1,2 und 4,1 Grad Celsius bis 2100.

Niederschlag im Winter
Es ist deutlich erkennbar, dass sich die mittleren Temperaturen ändern und Extremereignisse wie Hitzeperioden häufiger vorkommen. Bis 2050 wird die Anzahl der Tage mit einer Maximumlufttemperatur von über 30 Grad Celsius voraussichtlich verdoppelt. Wenn man den Niederschlag betrachtet, ist es notwendig, die Variationen in den einzelnen Jahreszeiten zu unterscheiden. Der Winter wird im Laufe des Jahrhunderts wahrscheinlich um 20 Prozent mehr Niederschlag erhalten, im Sommer ist dieses Signal jedoch weniger eindeutig. Auch wenn dies auf den ersten Blick als positiv für die Wasserverfügbarkeit interpretiert werden kann, bestätigt sich diese Aussage nicht bei näherer Betrachtung.

Schnee?
Es ist anzunehmen, dass infolge der Erhöhung des Temperaturlevels im Winter der Niederschlag in tiefen Lagen vermehrt als Regen auftreten wird, wodurch die verzögerte Abgabe von Feuchtigkeit im Frühjahr eingeschränkt wird. Die Modelle zeigen zudem, dass sich die Schwankungen des Sommerniederschlags erhöhen werden. Darüber hinaus ist aufgrund erhöhter Temperaturen und einer längeren Vegetationsperiode auch mit einem Anstieg der Verdunstung zu rechnen.

Auswege auf dem Chaos
Neue Arten können eine Chance sein. Die weiße Lupine zum Beispiel ist eine Kultur, die bereits züchterisch bearbeitet wurde. Bei guter Bodenstruktur kann man von der hohen Trockentoleranz der Pflanze profitieren.
Allerdings scheint die Lupine bei Blüte und erster Kornbildung Temperaturen von über 33 Grad nicht gewachsen zu sein. Trotzdem kann die weiße Lupine eine interessante Alternative zur Fruchtfolgenerweiterung sein.
Mittelfristig wird die Kichererbse eine größere Rolle spielen. Sie ist optimal an Wassermange und Hitze angepasst. In Süddeutschland waren 2022 bis zu 3t/ha Ertrag möglich. Nässe, wie im Jahr 2021 bekommen der Kichererbse allerdings nicht gut.

Teffgras ist eine interessante Alternative, da es für trockene und sehr trockene Standorte geeignet ist, aber verträgt auch Staunässe. Mit Teffgras lässt sich sehr schnell, sehr viel und gleichzeitig hochwertiges Futter erzeugen. Nämlich bis zu 15 Tonnen pro HektarTrockenmasse im Jahr
Teff ist eine robuste Pflanze, die kaum von Krankheiten oder Schädlingen befallen wird. Das macht sie interessant für den ökologischen Anbau, in dem auf chemische Pestizide und Düngemittel verzichtet wird.
Sorghum kann für Silomais eine Alternative sein. Es übersteht Trockenperioden vegetativ besser und verspricht höhere Trockenmasseerträge als Mais, wenn der Sommer sehr trocken wird. Sorghum wächst im Gegensatz zu Mais nach einem kurzen Wachstumsstillstand weiter, vertrocknet aber nicht.
Die Gründüngung wird zukünftig einen größeren Stellenwert einnehmen. Aufgrund der aktuellen Düngeverordnung wird ein Aufdüngen von abgewirtschafteten auf sommertrockenen Schlägen schwer bis unmöglich.
Hier kann die Gründüngung einen Ausweg bieten. Auch hier ist teilflächenspezifische Betrachtung wichtig. So sollten nährstoffspezifische Karten erstellt werden, um einen Nährstoffmangel erkennen und nachdüngen zu können.

Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es einige Unsicherheiten gibt, wenn es darum geht, mögliche zukünftige Entwicklungen vorherzusagen. Es ist schwierig, die Wirtschaft und das soziale Umfeld vorherzusagen, da viele Faktoren eine Rolle spielen. Auch die Klimamodelle haben ihre Unsicherheiten, da sie kleinräumige und kurzfristige Prozesse nur indirekt abbilden können. Daher ist es wichtig, sich auf vielfältige Veränderungen im Klimasystem und seinen Schnittstellen einzustellen.
Es ist wichtig, dass Landwirte sich mit den möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Kulturen auseinandersetzen. Nur so können sie auf die sich verändernden Bedingungen vorbereitet sein und ihre Kulturen an die neue Situation anpassen. Trotz der Unsicherheiten, die der Klimawandel mit sich bringt, können Landwirte den Herausforderungen durch eine entsprechende Vorbereitung begegnen.








